Heute ist ein Bild in mir entstanden.
Ich sehe zwei Pflanzen.
Beide leben.
Beide bekommen Wasser.
Und doch wachsen sie völlig unterschiedlich.
Die eine steht in einem Gewächshaus.
Jedes Mal, wenn etwas passiert, wird sie bewertet.
„Pass doch auf.“
„Kannst du das nicht richtig?“
„Was ist nur mit dir?“
Die Emotionen der Gärtnerin landen auf der Pflanze. Nicht, weil die Pflanze falsch ist, sondern weil die Gärtnerin ihre eigenen Gefühle nicht halten kann.
Die Pflanze wächst.
Aber sie wächst in dem Glauben, dass mit ihr etwas nicht stimmt.
Sie lernt nicht das Leben kennen.
Sie lernt nur die Bewertungen über das Leben.
Die andere Pflanze steht unter freiem Himmel.
Auch dort regnet es.
Auch dort gibt es Sturm.
Auch dort zerbricht einmal eine Vase.
Doch die Gärtnerin bleibt bei sich.
„Ich bin traurig. Diese Vase war mir wichtig.“
Sie macht die Pflanze nicht für ihre Gefühle verantwortlich.
Sie erzählt von ihrem Herzen.
Und plötzlich geschieht etwas anderes.
Nicht nur die Pflanze wächst.
Auch die Gärtnerin wächst.
Beide lernen am selben Ereignis.
Nicht gegeneinander.
Miteinander.
Vielleicht ist das der Unterschied.
Nicht, ob im Leben etwas zerbricht.
Sondern ob wir aus dem Zerbrechen Schuld machen oder Beziehung.
Ich wünsche mir, genau diese Art zu leben.
Meine Gefühle zu fühlen, ohne sie auf andere zu legen.
Mich zu zeigen, statt zu bewerten.
Mich zu öffnen, statt zu beschuldigen.
Wie eine Pflanze unter freiem Himmel.
Nicht geschützt vor jedem Sturm.
Sondern genährt von allem, was das Leben mit sich bringt.