Ich kann sehen, dass ich Wachstum genießen möchte.
Ich möchte es betrachten, als wäre es ein Segen. Heilig. Wunderschön anzusehen. Egal, was passiert. Nicht nur, wenn alles wundervoll verläuft, sondern auch im Stillstand oder wenn es anders kommt als ich erwartet habe.
Bei einer Blume will ich mich auch erfreuen, wenn sie noch in der Erde liegt. Wenn die Blüte noch nicht ihre Pracht zeigt, sondern noch aussieht wie Kraut und Rüben.
Bei meinen Kindern will ich mich auch erfreuen, wenn sie etwas noch nicht können oder es zum 100. Mal probieren.
Ganz tief in mir drinnen will ich mich daran erfreuen. An allem.
Doch noch ist da etwas anderes Erlerntes. Da sind Gedanken von Scheitern. Fehlern. Unfähigkeit. Wut. Druck. Perfektion. Kontrolle. Stillstand.
All das schiebt sich langsam durch mich hindurch. Macht mich unsicher, ängstlich, wütend, traurig, verletzlich und beschämt.
Und doch gehört wohl all das dazu. Zum Prozess. Zum Wachstum. Zum Loslassen.
Ich spüre, ich möchte in mir einen neuen Garten anlegen:
In meinem emotionalen Garten:
Ich will Wut und Traurigkeit nicht mehr rausreißen und somit unterdrücken, sondern mich daran erfreuen, was sie mir zeigen, und einen Ausdruck für mich finden.
In meinem physischen Garten:
Ich will Krankheit nicht mehr schnell wegmachen oder als Schwäche sehen, sondern dankbar sein, was mein Körper da kann.
In meinem mentalen Garten:
Ich will mich selbst nicht mit meinen Gedanken verstecken, für mich behalten oder abwerten. Ich will sie aussprechen, egal, wie verrückt oder abstrus, schwer oder größenwahnsinnig sie für mich wirken.
Ich will mich dabei nicht von anderen abgrenzen, sondern von dem, was ich immer und immer so mit mir mache, weil ich mich an andere anpasse, es jedoch gar nicht mir entspricht. Ich merke, ich will etwas anderes.
Ich will meinen Ausdruck finden. Nicht als Paradies und Flucht vor anderen wundervollen Gärten, sondern als Vielfalt wie jeder seinen Garten für sich gestaltet und sich wohl fühlt. Jeder schauen kann und entscheidet, ob er mal zu Besuch kommt.
Ich will einen neuen Garten säen und warten, was die Natur dazu gibt und was entsteht, wenn ich Wachstum erlaube.
Ich möchte alles als WILD-Kraut sehen und nicht mehr wie Unkraut behandeln.