Heute Morgen frage ich mich wieder, wer ich eigentlich bin. Ob ich vielleicht bloß nicht akzeptieren kann, wer ich eigentlich bin, und deshalb suche und kämpfe.
Ich will akzeptieren, dass es zu mir gehört – aber als Wurzel und nicht als Pflanze. Ich will die Härte und Leere und Ablehnung nicht ablehnen und nicht weg haben. Sie hat mich auch vieles gelehrt. Ich will sie nur nicht mehr vorne dran stellen oder leben müssen. Ich will eine Wahl haben.
Ich fühle mich noch wie die Pflanze im Garten, auf den Kopf gestellt. Als wären meine Wurzeln oben und meine Pflanze vergraben.
Ich will schreien und toben, aber in mir ist nur der Satz: Alles muss funktionieren.
Das ist mein Nordstern. Alles muss funktionieren. Sonst gibt es Leid, Angst, Drohung … es muss funktionieren. Ich muss funktionieren. Ich muss es hinbekommen, dass alles funktioniert. Das ist meine Verantwortung.
Ich sehe es an mir. Wie eine Art Schutzweste. Kugelsicher. Außer die Kugel, die sie mir ins Herz bohrt.
Ich wünschte, es gäbe ein Skalpell, das diesen Glauben fein säuberlich von meiner eigentlichen Haut abtrennt. Sauber, einmalig, ohne Rückstände. Und doch scheint er so verklebt mit meiner Haut, wie Latex, dass es sich nicht mehr trennen lässt. Es ist verschmolzen. Und das Bindemittel ist die Angst.
Hauptsache, alle sind zufrieden, damit es funktioniert.
Vorher: Wie sieht es von außen aus?
Jetzt: Wie fühlt es sich von innen an?
Irgendwann wird Weichheit mein Leid ersetzen. Gerade ist es noch der einzige Ausweg aus der Härte.
Wow, was wäre Weichheit für ein Leben. Ohne Härte, ohne Leid, ohne Ablenkung, ohne mich analysieren, ohne Selbstvorwürfe. Einfach sein. Liebe. Annahme.
Nicht, weil ich das jetzt muss, weil es nicht mehr anders geht, sondern weil ich es wähle.
Härte ist meine Sucht. Ich suche sie den ganzen Tag: Wo kann ich funktionieren, wo kann ich mich abwerten? Wenn ich es in mir nicht kann, mache ich es mit anderen. Hauptsache, ich spüre die Härte durch meine Adern fließen, weil ich sie irgendwann mit Liebe verwechselt habe.
Nur das Leid gibt mir eine Pause. Oder das Fernsehen, das Ablenken, ein Stück Schokolade. Weil das alle mal machen, da darf ich auch mal.
Nur eins darf ich nie: weich werden. Zart. Sanft.