Heute Morgen habe ich das Gefühl, unsere Kinder schreien uns auf ihre Art an, dass sie mehr Raum, mehr Abstand brauchen. Aber sie wissen nicht, wie sie das sagen sollen, weil sie es von uns nicht anders kennen. Sie folgen einfach ihrem Gefühl.
Dann stehen wir davor und sagen: Okay, dann geh doch ein Stück weg.
Und sie sagen: Ich weiß nicht wie. Du hast es mir nie gezeigt.
Und so drehen wir uns im Kreis umeinander.
Zeig du es mir zuerst.
Und wir antworten: Wir wissen auch nicht, wie das geht. Ich kann nur, wenn du ein Stück zurückgehst.
Heute Morgen sehe ich das so glasklar, dass es weh tut.
Als würde ich ein Theaterstück anschauen und mich fragen: Wie komme ich hier raus?
Ich sehe meine Eltern und erkenne, dass sie nur zwei Modi kannten:
Mich vor Fehlern bewahren – übergriffig, zu eng, kein Raum, erdrückend.
Oder mich für Fehler ablehnen – zu weit weg, Wut, nicht gehalten.
Und weil ich nichts anderes gelernt habe, mache ich es jetzt mit meinen Kindern genauso.
Ich erdrücke oder überfordere sie.
Oder ich lasse sie fallen, halte sie nicht, setze keine Grenzen.
Es gibt kein gesundes Spielfeld, keine Werkstatt des Lebens.
Kein Probieren, kein Fehler-machen, kein Fühlen und Gehalten-werden.
Im Außen ist alles vernebelt.
Aber im Inneren fühle ich mich klarer denn je.
Das Eis schmilzt – alles ist noch rutschig, empfindlich, wackelig.
Ich sehe mehr und mehr mit dem Herzen.
Doch es ist noch von Leid und Schmerz umhüllt,
und deshalb fühlt sich alles noch so intensiv an.