In mir ist etwas wie kaputt. Wie verknotet oder aufgerissen und schief zusammengewachsen. Ich kann es nicht klar sehen. Verstehen. Ich kann es nur spüren. Da ist etwas mit Freude. Mit Essen. Mit Nähren. Und mit Angst. Angst vor Diabetes. Angst vor Kontrolle. Da ist etwas, das ich nicht ausleben darf. Die Freude? Die ich lieber runterschlucke. Und da ist doch Hunger. Da ist der Ausgleich über Zucker und durch die Angst vor dem Gift. Da ist Hunger und Angst und doch auch vollgestopft sein. Ich wünschte, jemand würde mich einmal so richtig auseinanderziehen wie eine Ziehharmonika und dann wieder wahrhaftig und mit Liebe ganz vorsichtig zusammenbasteln. Wie eine dieser selbst gebastelten Martins-Laternen aus vielen bunten Schnipseln, durch die dann das Licht fällt und alles hell und bunt anleuchtet.
Wie kann ich nur dieser Mensch sein, für mich.
Ich will gern echte Freude empfinden und die künstliche loslassen. Ich entscheide mich dafür. Der Gedanke schlägt Alarm. Schlägt Wellen in mir. Wellen brechen. Sie brechen auf. Durchfluten. Ich fühle so viel Scham, Schmerz, Enge. Die Wellen reißen alles mit, das nicht niet- und nagelfest ist. Alles, was nur draufgesteckt ist. Sie nehmen es mit und spülen es an Land. Sie zeigen es. Machen es sichtbar.
Nur die Entscheidung lässt mich schon entziehen. Wie etwas, das an Land gespült ist. Das Licht blendet und die Atemluft macht weit. Es windet sich. Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Die echte Freude von der künstlichen. Dem Zucker.
Ich brauchte dich nie. Du warst nur Ersatz. Doch jetzt kommt das Wahrhaftige. Jeden Tag versüßtest du mein Leben. Und doch war immer eine Leere in mir. Eine Sehnsucht. Die der wahrhaftigen Freude im Leben. Dem freudigsüßen Leben.
Es wurde mir genommen und stattdessen dieser zuckerdurchzogene, klebrige Brei vorgesetzt. Er verklebte alles in mir und ich kämpfte lang dagegen, bis ich mich ergab, statt mich zu übergeben. Er ergoss sich in meine Adern und ich gab mich hin. Doch jetzt ergebe ich mich der wahren Freude, und für dich ist kein Platz mehr in mir.
Da war Nähe, Geborgenheit und Freude an Mutters Brust, und nur ein Zweifel reicht – und da ist ein Löffel, eine Flasche, Streit, Zwang und eine süße Milch und Brei. Und so fängt es an und schleicht sich langsam ein, und es wird Ferne und Fremde, wo einst Nähe und Freude war. Wo einst Miteinander war, folgt die Distanz, und ehe ich mich versehe, zieht sie sich durch mein Leben und macht es mir schwer, zurückzukommen. Zu wahrhaftigem Miteinander, Nähe und Freude des Teilens.
Wo einst alles mit einem Zweifel, einem Wort von außen, einem fehlenden inneren eigenen Gefühl begann und Taten folgten, kehre ich jetzt wieder mit Taten zurück zum Ursprung, zum Zweifel und schließlich zu mir.
Zucker, du warst lange mein Begleiter, doch jetzt darf ich dich ersetzen. Nicht durch Ersatzstoffe, sondern durch echte, wahrhaftige Freude. Ich darf lernen das ich dich nicht brauche sondern erfahren darf. Ich bin dankbar dass ich Zucker einen so großen Platz in mir gewährt habe. Ich habe mir ein Zeichen gesetzt was mir fehlte und jetzt darf ich Verantwortung übernehmen, dass ich es ersetzen darf.
Ich konnte nie sagen, was ich wirklich brauchte, denn Sprache hatte ich nicht, und ein Löffel verstand mich nicht, und meine Mama zweifelte. Ihre Brust, die hätte mich verstanden, ihr hätte ich sagen können, was ich brauche. Unsere Körper hätten miteinander kommuniziert in einer Sprache, die mehr ist als Laute, sondern Chemie, Verbindung, Energie, Körpersprache… das ist, was mir heute fehlt und was ich in mir verschlucke.