Etwas schenken
Etwas schenken

Etwas schenken

Fülle ist für mich noch etwas Abstoßendes und nichts Nährendes.

Sie fühlt sich an wie ein trockenes Stück Fleisch, wie eine alte Schuhsohle. Sie wird im Mund immer mehr, und wenn ich nicht aufpasse, verschlucke ich mich daran – ersticke daran.

Aber ich wünsche mir, dass sie sich anfühlt wie eine warme Suppe: leicht, aromatisch, zart, wärmend, nährend.

Vielleicht, weil ich die Fülle bisher nicht so zubereite wie eine Suppe, sondern zu lange „brate“, bis sie nicht mehr roh und lebendig ist, sondern zu einer Schuhsohle geworden.

Ich dachte bisher, ich könnte Fülle noch nicht halten – doch gerade merke ich: Ich habe Fülle genau so gelernt. Sie ist „schlecht“, muss schnell weg. Ich halte sie nicht aus, muss sofort etwas dagegen tun.

Das habe ich über wahrhaftige Fülle gelernt – Leere, Liebe, Nährendes – und Leere, Ablenkung, leere Lebensmittel. Ich habe gelernt, mich lieber daran festzuhalten, statt die echte Fülle zuzulassen.

Meine größte Herausforderung besteht darin, mich in der Fülle zu zeigen.

Ich will mich nicht verlassen. Ich will mich nicht zurücknehmen. Ich darf aus der Fülle wählen, aber sie darf mich nicht „übernehmen“. Ich darf sein, wie ich bin – ohne Zeitdruck, ohne das Gefühl, „jetzt handeln zu müssen“.

Bisher habe ich mich in Fülle verloren, und deshalb ist mein Nervensystem auf der Hut. Es wacht. Ich beobachte: Gehe ich schneller? Mache ich mehr? Lasse ich etwas weg, das mir wichtig ist?

Fülle funktioniert nur, wenn wir uns selbst nicht verlassen. Wir sind Fülle. Wenn wir uns nicht voll und ganz einlassen, verlieren wir auch die Fülle im Außen. Es ist ein Wechselspiel:

Wie bei Gesundheit – wenn wir in uns investieren (Sport, Ernährung), wächst die Fülle – die Gesundheit. Wenn wir nachlässig werden, wächst wieder die Leere – die Krankheit.

Das, worin wir investieren, erhalten wir als Fülle.

Fülle ist also nicht da oder weg – Fülle ist immer da. Sie zeigt sich in dem, was wir in uns füllen.

Wenn ich mir Liebe schenke, erhalte ich Liebe.

Wenn ich mir Gesundheit schenke, wächst Gesundheit.

Unser Körper, unser Leben zeigt uns, wo wir stehen und wie wir handeln dürfen.

Brauche ich Geld? Stecke ich Geld in mich?

Brauche ich Gesundheit? Schenke ich mir Gesundheit?

Schenke ich mir Licht? Werde ich erstrahlen?

Schenke ich mir Raum? Werde ich wachsen, weiter, größer?