Es bebt
Es bebt

Es bebt

Da stehe ich wieder. Alles in mir will weiter, größer werden. Fülle erleben, losgehen, fließen lassen. Aber nicht alles. Denn gegenüber steht die Kontrolle. Sie hält fest, sie hält zurück. Die Handbremse bis zum Anschlag gezogen.

Ich spüre es in mir: Wie Gas und Bremse gleichzeitig reißen. Wie ich wieder kurz vor einer Wahrheit stehe und am liebsten Augen und Ohren zuhalten möchte. Wie ich schreien will und doch verstumme. Wie alles in mir bebt und ich mich frage, wo der Weg liegt. Aber ich gehe weiter.

Ich muss nicht mehr denken „Ich schaffe das“, sondern ich beginne zu wissen: „Ich habe es verdient.“ „Ich darf das.“ Es darf fließen. In Strömen. Und es wird mich nicht wegspülen.

Nicht „Ich schaffe das“, sondern „Ich löse das“. Denn ich muss nichts erreichen – ich muss loslassen.

Was halte ich noch fest? Warum?

Ist da ein Teil, der glaubt, ich müsse abgelehnt werden?

Weil Ablehnung einmal Liebe war?

Es fühlt sich an, als hätte heute Morgen jemand einen Stempel auf meine Stirn gedrückt: „Ich muss abgelehnt werden.“ Denn Ablehnung war Liebe. Ohne Ablehnung – so glaubte ich – keine Liebe. Also erschaffe ich Ablehnung in jeder Form: Ablehnung von Essen, von meinem Körper, von Menschen, vom Draußen, vom Leben. Nur wenn ich das Leben ablehne, fühle ich mich lebendig.

Es tut weh. Es ist schwer zu tragen.

Wie soll ich das loslassen? Wie soll ich springen und glauben, dass Ablehnung keine Liebe ist? Dass Liebe etwas anderes ist – Annahme, Leben, Weite?

Es ist, als stünden auf der einen Seite Ablehnung und auf der anderen Annahme. Dazwischen liegt die Kontrolle.

Und ich? Wo hänge ich?

Ich komme nicht richtig in die Annahme. Ich bleibe in der Ablehnung. Maximal erreiche ich die Kontrolle – ab und zu strecke ich einen Zeh in die Annahme, ziehe ihn aber schnell wieder zurück.

Was fehlt, ist die Hingabe.

Ablehnung + Kontrolle / Hingabe + Annahme.

Wo stehe ich?

Was ist meine Wahrheit?