Etwas auf dem Herzen
Etwas auf dem Herzen

Etwas auf dem Herzen

Puh, ich merke gerade, dass in mir diese große „männliche“ Wunde klafft – die Wunde, nicht genug zu sein oder nicht genug zu tun.

Gerade wurde mir vorgeworfen, ich könne das eine oder andere doch auch noch zu Ende bringen.

Und ich weiß nicht: Hat er recht? Drücke ich mich davor, es zu tun – oder habe ich einfach eine andere Aufgabe, die ich noch nicht vollständig einnehme, wertschätze, zeige?

Ich strauchle.

Ich merke, wie ich mich ablenke, wie ich wieder beim Gegenüber lande und Anschuldigungen finde, nur um diese Wunde nicht zu berühren. Ich schaue lieber nach außen, statt zu mir.

Denn ich habe noch keine tiefen Wurzeln in mir – darin, was ich bin, was meine Energie ist, was ich „tue“, ohne etwas zu tun.

Da ist ein riesiger Knoten. Schmerz. Eine Wunde. Schutz. Flucht. Kampf.

Und ich frage mich: Was genau ist das für eine offene Stelle in mir, der ich immer wieder ausweiche?

Ein Gedanke taucht auf:

Wenn ich das jetzt auch noch mache – was machst dann du?

Als wäre ich für das Innere zuständig und mein Mann für das Äußere.

Aber vielleicht halte ich mich so sehr am Innen fest, dass er gar keinen Zugang findet?

Vielleicht sage ich: „Du musst draußen machen“, weil ich selbst nicht raus will.

Warum denke ich, wenn ich rausgehe, dann lastet alles auf mir?

Als würde sonst niemand mehr das Innen halten.

Ich trage da eine Angst – einen Schutz, der längst blockiert, statt zu schützen.

Er ruft Kampf hervor, wo eigentlich Verbindung sein könnte.

Ich kann es noch nicht klar sehen, es ist so verwickelt in mir, so zart und wund, dass ich sie kaum zeigen mag – diese Wunde.

Ich würde sie gern sehen.

Gern ausspülen, säubern, versorgen.

Vielleicht ist da auch Trotz: Weil du willst, dass ich es mache, mache ich es nicht.

Ich will es selbst.

Vielleicht erschaffe ich sogar, dass der andere es von mir will, damit ich bocken darf. Damit ich wieder in mein Schneckenhaus darf.

Da ist Wut – und immer wieder die Frage: Wenn ich das noch mache, was machst du dann?

Als würde ich denken, er macht nicht genug.

Weil ich tief in mir glaube: Ich mache nicht genug.

Es ist kein Kampf, wer genug macht.

Und doch fühlt es sich so an.

Als ginge es nicht um Liebe, sondern ums Beweisen.

Noch steckt in mir der Glaube: „Ich brauche dich. Ich kann den letzten Schritt nicht allein gehen.“

Diese Abhängigkeit will sich lösen.

Vielleicht darf ich lernen: Es ist nicht schlimm, wenn ich alles mache – solange ich es nicht aus Zwang tue, sondern aus Kraft.

Selbstermächtigung bedeutet nicht, alles allein zu tun, sondern zu sagen:

Ich will es nicht mehr allein tun.

Ich will nicht erst zusammenbrechen müssen, um das auszusprechen.

Ich will nicht länger sagen: „Du machst aber nicht genug.“

Ich will sagen können: Ich will das tun – aber nicht allein.

Ich bin abhängig, weil ich es nicht zugeben kann.

Es steckt in meinem Brustkorb fest.

Ich beiße mir auf die Zunge.

Mein Körper hält mich zurück, den Satz auszusprechen:

„Ich habe etwas auf dem Herzen.“

Vielleicht ist das die Wahrheit:

Nicht erzählen, was ich geschafft habe, erkannt habe, erledigt habe –

sondern erzählen, was mir auf dem Herzen liegt.

Das, was mich berührt, belastet, bewegt – bevor es erledigt ist.

Das ist meine neue Bewegung:

Nicht erst sprechen, wenn ich durch bin, sondern während ich mitten drin bin.

Mich zeigen – unverhüllt, unvollendet, ungeschützt.

Nicht, um etwas zu beweisen.

Sondern, um Raum zu öffnen – für mich und für das Leben, das hindurchfließt.