Der Schlüssel
Der Schlüssel

Der Schlüssel

In mir kommt gerade sooooo krasse Wut hoch.

Wut, weil ich die ganze Kette sehe.

Ich sehe, wie mich früher niemand in Ruhe gelassen hat.

Wie immer jemand bei mir war,

mir keinen Raum gegeben hat,

damit ich mich entfalten konnte.

Wie jemand ständig auf mir „draufhing“

und bei jeder Bewegung einen Kommentar gab.

Ich sehe, wie wütend ich war,

weil ich sie am liebsten angeschrien hätte:

„Kümmer dich doch mal um dich selbst!“

Ich sehe, wie ich es gelernt habe –

und wie ich es an meine Kinder weitergegeben habe.

Ich sehe, wie sie es wiederum übernommen haben

und bei anderen anwenden.

Und ich sehe mich selbst,

wie ich es in ihnen erkenne –

und meine Wut nur so überkocht,

wenn sie es tun.

Es liegt in meiner Vergangenheit –

in meinen Eltern.

Es liegt in der Zukunft –

in meinen Kindern.

Und es liegt in mir.

Es umgibt mich.

Ich ersticke fast daran.

Und trotzdem glaube ich:

Ich kann aussteigen.

Auch wenn ich noch nicht weiß wie.

Auch wenn die Wut mir das noch aufs Butterbrot schmiert –

sie erinnert mich.

Sie nimmt mich an die Hand.

Sie führt mich auf meinen Weg –

hinaus aus diesem Kreis.

Heute Morgen fühlt es sich an,

als hätte ich den Schlüssel in der Hand.

Einen Schlüssel zu einer Tür,

zu einem Tor,

zu einem Raum,

den ich sooooo lange nicht betreten habe.

Dieser Raum –

das bin ich.

Das Tor besteht aus Enge und Angst.

Ich rüttle daran,

so lange ich denken kann.

Und doch habe ich nie gesehen,

dass ich den Schlüssel die ganze Zeit in meiner Tasche trug.

Dass ich selbst das Vorhängeschloss angebracht habe.

Aber heute sehe ich es.

Heute stehe ich davor –

mit dem Schlüssel in der Hand.

Und es fühlt sich an,

als würde ich da nicht allein durchgehen –

aber für mich.

Ein Tor in die Freiheit.

Nicht im Außen,

nicht durch Flucht.

Sondern die Freiheit im Innen.

Der Raum für mich selbst.

Mit gesunden Grenzen.

Mit viel Luft für Fülle.

Mit Akzeptanz für alles,

was zu mir gehört.