Am Meer sein
Am Meer sein

Am Meer sein

Heute Morgen lief ein Lied: „Was würdest du heute nochmal machen, wenn du heute Abend stirbst?“

Und es brachte mich zum Nachdenken.

Ich dachte erst, ich will nochmal ans Meer fahren.

Dann fiel mir aber eigentlich nichts so richtig ein, was ich Tolles, Krasses machen will – und ich wurde traurig. Ich fing wieder an zu denken: Ich kann das nicht.

Dann kam ein leiserer Gedanke:

Wenn es mein letzter Tag wäre, würde ich alles nochmal in mich aufsaugen.

Wie meine Kinder riechen.

Wie sich eine Umarmung anfühlt.

Das Wetter.

Wie etwas klingt oder aussieht.

Ich würde meine Sorgen nach hinten schieben und meinen Sinnen volle Aufmerksamkeit geben. So wie Kinder es tun:

„Mama, schau mal wie das klingt! Schau mal wie das aussieht!“

Ich wäre nochmal Kind. Jetzt und hier in diesem Moment.

Ich wäre nochmal voll da. Präsent.

Und das hat mir Klarheit gegeben:

Dafür muss ich nicht sterben.

Das kann ich jetzt.

Und jeden Tag ein wenig mehr. (Auch am Meer.)

Jeden Tag kann ich ein wenig mehr sein.

Krass – erst jetzt fällt mir auf, warum ich gern ans Meer will.

Vielleicht ist es nicht die Sehnsucht nach dem Meer,

sondern die Sehnsucht nach dem Mehr.

Ich darf mehr sein.