Schneesturm
Schneesturm

Schneesturm

Ich sitze gerade am Fenster. Ich sehe Weite. Ich sehe Natur. Draußen herrscht ein Schneegestöber. Der Schnee rieselt herunter, wird aber auch vom Wind getrieben. In mir steigt der Gedanke auf: Das habe ich mir immer gewünscht.

Dass ich beobachten kann. Dass ich geschützt und warm sitze und zusehen kann, was passiert. Ohne mitten im Sturm zu stehen, mir alles zuzuhalten, weil es mir ins Gesicht peitscht, ich friere und nichts anderes kann, als ausgeliefert zu sein. Eben MITTEN DRIN.

Ja, es ist herrlich, sich warm anzuziehen und die Natur, das Leben, den Schnee zu genießen. Das ist nicht schöner als mitten drin zu sein, aber nur, wenn du weißt: Wenn es zu intensiv wird, kannst du wieder rein. Dich aufwärmen, wieder ankommen, Abstand haben. Und genau das hatte ich nie.

Dieses Hin und Her ist das Schöne am Leben. Die Wahl, die Dualität. Ich will wieder raus – den Wind, die Natur und das Leben erleben – aber ich brauchte die Zeit, um mir diesen Raum, dieses Fenster, diese Wärme, Sicherheit, diesen Schutz zu bauen. Dahin immer wieder zurückzukehren und nicht immer mitten im Sturm zu stehen. Denn das tat ich mein Leben lang nicht.

Ich habe diesen Raum. Ich darf ihn wählen. Ich darf zurückkommen. Und ich darf es immer öfter, immer länger und immer bewusster.

Ich hatte jetzt das Aufwärmen nach einem langen Draußensein und ich brauchte es so dringend.

Jetzt darf ich wählen. Ich darf wechseln. Ich darf überall sein. Das erfüllt mich gerade.