Ein großes Thema in meiner Familie war immer der Vorwurf: „Du kommst nur, wenn du was willst.“
Dieser Gedanke und Zweifel nagte mein Leben lang an mir. Auf der einen Seite spürte ich in mir: „Nein, das will ich doch gar nicht.“ Auf der anderen Seite sah ich, was ich tat, und es stimmte nicht überein. Ich zweifelte an mir. Ich begann, mir Mühe zu geben, dass es nicht so wirkte, aber am Ende landete ich immer dabei, dass es von außen so aussah – dass ich diesen Vorwurf bestätigte.
In der letzten Zeit spüre ich, dass ich Funktionieren oder Dinge aus dem gesellschaftlichen Kontext und aus Liebe auseinanderziehen kann. Ich folge mehr meinem Gefühl, meinem Raum, meiner Zeit, meiner Liebe – und weniger dem Funktionieren und der gesellschaftlichen Norm. Diese Norm kann ich nie völlig ablegen, aber ich ziehe sie wie Kaugummi auseinander: Was fühle und liebe ich wirklich, und was tue ich, weil es schon immer so war, verlangt wird oder alle um mich es tun?
Heute kann ich es so deutlich vor mir sehen. Ich tat, wie gewünscht: In meiner Familie ging Funktionieren, Leisten immer vor den eigenen Bedürfnissen. Also tat ich es ihnen nach. So funktionierte es: „Ich brauch mal das, weil ich dies oder jenes erledigen muss“ – manchmal sogar vor dem „Hey, wie geht es dir? Wollen wir Zeit zusammen verbringen?“
Ich tat es wie gelernt: Funktionieren kommt vor Nähe, Liebe, Verbindung. Es war nicht mein Fehler, nicht mein Mangel. Es war Anpassung vor der inneren Wahrheit. Vor lauter Funktionieren war einfach kein Platz mehr für Miteinander – nicht aus fehlender Liebe, sondern aus Gewohnheit, Erlerntem, Sicherheit.
Doch langsam darf ich erst fühlen – und dann handeln.